4/16/2009

Lesenswert: Missbrauchsopfer gegen Internetsperren

Nachtrag zu Blog-Eintrag "Kinderpornographie"

Die Zeit hat ein Interview mit Christian Bahls (dem Gründer der Initiative "Missbrauchsopfer gegen Internetsperren" MOgIS) veröffentlicht.
Dieser wehrt sich vehement dagegen, als Missbrauchsopfer nun erneut von Innen- und Familienministerium für ein Zensurgesetz missbraucht zu werden. Er betont dabei vor allem die Wirkungslosigkeit des Zensurgesetzes und schildert sein Bemühen, das Familienministerium auf Kinderporno-Server in Deutschland hinzuweisen - als er nachfragte, wie der Stand der Ermittlungen sei, teilte man ihm mit, dass sein Hinweis gerade zwischen den Abteilungen hin- und hergeschoben werde. Und das bei einem Server der laut Bahls mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,5% in Deutschland steht und auf dem vermutlich 18 Kinderpornographische Domains laufen.
Glückwunsch und Dank an Frau von der Leyen, für ihren energischen Einsatz gegen Kinderpornographie.
Es heißt, dass jedes Land die Politiker kriegt, die es verdient... ich protestiere!
Ich schäme mich für so manchen Politiker in unserem Land - Jedes Unternehmen, dass von so einem inkompetenten, selbstsüchtigen, machtgeilen Pack geleitet würde, währe nach kurzer Zeit hinüber - Wenn jemand eine Idee hat, wen man guten Gewissens noch wählen kann, soll er mich bitte informieren, bald sind Wahlen und die Regierung überschlägt sich schon wieder mit idiotischen Wahlkampfversprechen.

Schöne neue Welt

Ein Polizist hat bei einem "Gedenkprotest" ("memorial protest") für Ian Tomlinson eine Frau mit seinem Schlagstock angegriffen, nachdem diese ihn als "fucking murderer" beschimpft hatte.

Ian Tomlinson war bei den G20-Protesten anfang April an einem Herzinfarkt gestorben, nachdem er kurz zuvor von Polizisten in riot gear (Helm, Schild, ...) von hinten angegriffen wurde.

Der Guardian warnt Besucher der im Titel verlinkten Seite, dass das Video ganz böse Wörter enthält - also, wer darauf Wert legt, dass sein Polizeigewalt-Video nicht durch böse Schimpfwörter beschmutzt wird, der macht bitte den Ton aus.

Nachtrag (21.04.2009)
Tomlinson starb nicht an einem Herzinfarkt, sondern an inneren Blutungen.

4/14/2009

BILD.de warnt vor Datenklau

BILD.de warnt in einem Artikel vor den Gefahren, die im Netz lauern. Einmal in sozialen Netzwerken unachtsam gewesen, und schwupps sind deine persönlichen Daten bei irgendeinem skrupellosen Unternehmen, dass schamlos Profit aus ihnen schlägt.
BILD.de zitiert dazu das Bundesdatenschutzgesetz:

Laut Bundesdatenschutzgesetz ist dies (Datendiebstahl aus sozialen Netzwerken) zwar nur erlaubt, wenn die Daten öffentlich zugänglich sind. Also NICHT, wenn man sich zum Abrufen anmelden muss. Trotzdem tauchen auch immer wieder die eigentlich geschützten Daten auf.

Ja das ist schon verrückt, was in diesem "Internetz" alles möglich ist, immer wieder tauchen geschützte Daten irgendwo auf.
Danke auch an bildblog.de, wo dieser skandalöse "Datenklau" akribisch dokumentiert wird.

Mixa

Damit nicht der Eindruck entsteht, ich würde lediglich CDU/CSU-Bashing betreiben, möchte ich dem alten Hooligan Mixa etwas (unverdiente) Aufmerksamkeit zukommen lassen.
Da war also diese sensationelle Predigt am Ostersonntag in Augsburg – in Bayern kann man solche Zoten wahrscheinlich noch reißen, da ist die Welt noch in Ordnung. Leider veröffentlichte das Bistum vorab schon ein paar Zitate, die schon bald Wellen schlagen sollten:

"[...] Wo Gott geleugnet oder bekämpft wird, da wird bald auch der Mensch und seine Würde geleugnet und missachtet. Eine Gesellschaft ohne Gott ist die Hölle auf Erden [...]"
"[...] Die Unmenschlichkeit des praktizierten Atheismus haben im vergangenen Jahrhundert die gottlosen Regime des Nationalsozialismus und des Kommunismus mit ihren Straflagern, ihrer Geheimpolizei und ihren Massenmorden in grausamer Weise bewiesen [...]"
"[...] Jesus Christus und die Kirche stehen immer auf der Seite des Menschen, weil jeder Mensch ein Kind Gottes ist [...]"
Wo der christliche Glaube schwinde, komme deshalb nicht das "[...] helle Licht irgendeiner fröhlichen Aufklärung [...]" zum Vorschein.

Diese herrlichen Äußerungen schreien natürlich geradezu nach Kommentaren.
  • Mit "Atheisten" meint Mixa offensichtlich die ekelhaften Heiden, also alle, die nicht christlichen Glaubens sind.
  • Wovon uns das "helle Licht der Aufklärung" befreit hat, muss man mit Blick auf die Glanzleistungen der katholischen Kirche in der Zeit vor eben jener Aufklärung wohl nicht aufzählen.
  • Das die Katholische Kirche immer noch vom Reichskonkordat (1933) zwischen Hitler und der katholischen Kirche profitiert, bzw. sich durch opportunistisches Verhalten den Nationalsozialisten angebiedert hat und eben nicht gezielt verfolgt wurde, scheint Mixa vergessen zu haben.
  • Schweden, Dänemark und Norwegen – einige der Länder in denen die Zahl der Atheisten und Agnostiker besonders hoch sind, sind ja bekanntlich "die Hölle auf Erden".
  • Wie sich die katholische Kirche um das Wohl der Kinder sorgt, bewies sie mit der liebevollen Fürsorge (verlinkter Artikel ist auf Englisch), die sie (in antiker griechischer Tradition) ihren Messdienern angedeihen ließ. Die "brutalstmögliche Aufklärung" dieser Fälle beinhaltete Zahlungen in Höhe von vielen Millionen Doller, medienwirksame Treffen des Papstes mit handverlesenen Opfern, das Vertuschen von Beweisen, sowie die Versetzung von vielen Tätern auf andere Posten.
  • Auf wessen Seite Christus stand kann ich nicht beurteilen, dass die katholische Kirche aber hauptsächlich auf ihrer eigenen Seite steht zeigt sich seit fast 2000 Jahren.
Mixa als Vertreter einer Organisation mit einer reichen Tradition von Unterdrückung, Folter, Massenmorden, Opportunismus und persönlicher Bereicherung, sollte vielleicht etwas vorsichtiger in seiner Wortwahl sein, wenn er das nächste mal den Atheismus angreift.

Die Geburtenzahlen

Nachtrag zu Dyskalkulie bei Frau von der Leyen

Die Geburtenzahlen für 2008 sind veröffentlicht, und es war natürlich nicht das Jahr des Kaninchens mit einem neuen Babyboom. Viel mehr war es genauso wie befürchtet, die Geburtenzahl 2008 liegt bei 675 187, was einem Rückgang um circa 1% entspricht.
Vom Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (gibt es auch ein Ministerium für alleinstehende Männer mittleren Alters?) wurde diese Entwicklung nicht kommentiert, Frau von der Leyen sprach von einem "ungewöhnlichen Einbruch" im letzten Quartal - in der Tat ungewöhnlich, glasklare Zahlen, die man auch mit wildesten Schiebereien nicht positiv deuten kann.
Sowas kannte Frau von der Leyen noch nicht.

Lesenswert: Nachträge und Expertenmeinungen

Nachtrag zu Blog-Eintrag "Kinderpornographie"

Schon wieder ein angenehm sachlicher Bericht bei Stern Online, diesmal wenden sich Holger Witzel und Frauke Hunfeld in der Rubrik "Panorama" dem Thema Kinderpornographie zu. Was dabei herauskommt, ist ein umfassender Bericht über dieses schreckliche Thema, das leider in letzter Zeit vermehrt von Politikern für die Durchsetzung von strittigen Gesetzen missbraucht wird.
Der Schwerpunkt liegt auf der Ermittlungsarbeit und natürlich auch dem aktuellen Sperrgesetz, dessen Organisation (laut Stern.de) bewusst vom Innenministerium dem Familienministerium untergeschoben wurde. Fast schon amüsant, wenn es nicht so ein trauriges Thema wäre, ist die Anekdote vom Branchenverband ECO, die Anfangs vom Familienministerium auf eine "DSL-Sperre" angesprochen wurden - "jenes System, das aus Zahlencodes Seitennamen macht".
Abschließend regen die Journalisten Hunfeld und Witzel an, dass Frau von der Leyen sich lieber um ausreichend Therapieplätze für Missbrauchsopfer, und um angemessene Präventionsmaßnahmen für Pädophile kümmern soll (wie z.B. das Projekt "kein Täter werden").

In der aktuellen Ausgabe der c't befassen sich Holger Bleich und Axel Kossel mit der berüchtigen Sperrliste und kommen zu dem Fazit, dass wohl ausschließlich "Fritzchen Doof" von der DNS-Sperre am Besuch der gesperrten Seiten gehindert wird.
Außerdem werfen die beiden Autoren einen näheren Blick auf die wilden Zahlen, die Frau von der Leyen präsentierte und kommen zu einem ähnlichen Schluss, wie ich in einem meiner vorigen Blog-Einträge - Zahlen aus dem Familienministerium sind meistens Quatsch.
Ein großes Kompliment an stern.de und die c't, die sich vehement gegen den Missbrauch dieses Themas durch unser kompetentes Innen- und Familienministerium einsetzen.