7/15/2010

Sinnlose Studien...

Hier noch ein Highlight aus der Kategorie "völlig sinnlose Studien".
Ein Beratungsunternehmen aus Thüringen hat 1000 Chemnitzer telefonisch befragt, Thema waren die Wünsche der Chemnitzer an ihr Wohnumfeld.
Das sensationelle und völlig unvorhersehbare Ergebnis: Ans Zentrum grenzende Gründerzeit-Viertel wie zum Beispiel der Schlossberg, Kaßberg, aber auch der etwas berüchtigte Sonnenberg sind beliebter, als die schrecklichen Plattenbausiedlungen draußen vor den Toren der Stadt (5-6km vom Stadtzentrum).
Um die Begeisterung über diese Nachricht nachvollziehen zu können, empfehle ich die Lektüre dieses Blogeintrages und möchte das noch anhand von zwei Bildern verdeutlichen:


links: Heckert-Gebiet (unbeliebt)
rechts: Kaßberg (beliebt)

Die GGG (Chemnitz' größtes Wohnungsunternehmen) hat reagiert und angekündigt, in Zukunft auch die attraktiven Immobilien in Zentrumsnähe zu sanieren, anstatt sie wie bisher verrotten zu lassen.

Wenn das nächste Mal solche bahnbrechenden Erkenntnisse gesucht werden, kann man mich gerne kontaktieren, gibt's bei mir billiger und ich muss auch nicht erst 1000 Leuten telefonisch auf die Nerven gehen.
Aktuell im Angebot:

  • Ferrari schneller als John Deere
  • Berliner Fernsehturm höher als Reichstagsgebäude
  • Wassermelonen beliebter als Hundekot

7/08/2010

Dein Freund und Helfer

Amnesty International stellt fest: in Deutschland wird durch die Polizei nicht systematisch gegen Menschenrechte verstoßen. Soweit klingt das nicht schlecht - wer sich aber den Bericht durchliest, findet wahrlich haarsträubende Berichte, wie mit haarsträubenden Begründungen Ermittlungen gegen gewalttätige Beamte ausgebremst werden.

Ein groteskes Beispiel ist der Fall der Fotografin, die nach eigenen Angaben während des G8-Gipfels im Juni 2007 von der Polizei misshandelt wurde. Sie hat noch am selben Tag Anzeige erstattet und von einem Arzt ihre Verletzungen behandeln lassen, bei der Anzeigeerstattung wollte sie dem Beamten Fotos des Vorfalls auf ihrem Laptop zeigen, der Beamte weigerte sich, die Fotos anzusehen und sagte, bei späteren Befragungen könnte sie die Fotos zeigen.
Einen Monat später wird die Fotografin über die Einstellung der Ermittlung informiert - die Identität der verdächtigen Polizisten konnte nicht ermittelt werden.
Nach einer Beschwerde werden die Ermittlungen wieder aufgenommen, die Fotografin übergibt die Fotos der Staatsanwaltschaft (.jpeg via E-Mail), im Dezember 2007 wird Akteneinsicht beantragt.
Im Januar 2008 teilt die Polizei mit, aufgrund des Personalmangel hätte das Anliegen noch nicht bearbeitet werden können.
Mai 2008 wird die Fotografin telefonisch zu dem Vorfall befragt, sie erinnert die Polizei daran, dass sie den Behörden Fotos der verdächtigen Beamten zur Verfügung gestellt hat. Zwei Wochen später teilt ihr ein Beamter mit, er könne jpegs als E-Mail-Anhänge aus Sicherheitsgründen nicht öffnen.
Die Fotografin schickt der Polizei die Fotos im PDF-Format. Die Polizei sagt, die Fotos können aus Kostengründen nicht ausgedruckt werden - trotzdem werden einige der verdächtigen Beamten befragt.
November 2008 verlangt die Polizei, die Spuren der Schläge am Helm der Fotografin zu untersuchen.
September 2009 stellt die Staatsanwaltschaft die Ermittlung ein - die Täter konnten nicht identifiziert werden und die Fotografin habe durch das Tragen eines Helm wie eine gewaltbereite Demonstrantin gewirkt.

Die Polizei dein Freund und Helfer ...

Guantanamo-Häftlinge nach Deutschland

Innenminister de Maiziere (CDU) hat mit Unterstützung der Innenminister von Hamburg und Rheinland-Pfalz beschlossen, zwei Guantanamo-Häftlinge in Deutschland aufzunehmen. Nachdem die deutsche Regierung lange berechtigte und scharfe Kritik an dem illegalen Gefangenenlager auf Kuba geübt hat, leistet man jetzt endlich einen aktiven Beitrag zur Verbesserung der Situation.
Die beiden Gefangenen wurden acht Jahre ohne Prozess und ohne Anklage festgehalten, gegen sie liegt weder in ihren Heimatländern (Syrien, Palästina), noch in den USA irgendetwas strafrechtlich relevantes vor. Bleibt abzuwarten, ob den beiden tatsächlich ein Neustart ermöglicht wird, beide haben keinen Bezug zu Deutschland und sprechen lediglich arabisch, außerdem sind beide durch die lange Haft und die dort herrschenden Bedingungen traumatisiert.
Amnesty International und die Grünen begrüßen die Entscheidung, Unions-Hooligan und TV-Kasper Bosbach ist beleidigt - ihm wäre es sicher lieber gewesen, die beiden Gefangenen noch weitere 8 Jahre ohne Anklage auf Kuba wegzusperren, anstatt sie nach Deutschland zu holen.

7/07/2010

Geld verdienen leicht gemacht...

Thomas Middelhoff, (Ex-Manager uA bei Bertelsmann, Arcandor), der Mann weiß, wie man Geld verdient.
Nachdem er Vorstandsvorsitzender bei Arcandor (damals noch KarstadtQuelleAG) geworden war, verkaufte er Immobilien des Konzerns weit unter Wert an einen Immobilienfonds des Bankhauses Sal. Oppenheim, in den er und seine Frau selber vorher investiert hatten.
Nun musste Arcandor für die Nutzung der ehemals eigenen Warenhäuser völlig überzogene Mieten zahlen, der Wert der Arcandor-Aktie fiel von ~10 auf 1,3€, Arcandor muss Insolvenz anmelden, 2008 machte der Konzern knapp 750.000.000€ Verlust.
Middelhoff war zufrieden, nahm seinen Hut und forderte neben seinem Grundgehalt noch 2.200.000€ Sondervergütungen. Kurz darauf erhielt er einen Beratervertrag bei Sal. Oppenheim, der ihm Bezüge von insg. 10.000.000€ einbrachte.
Jetzt klagt der Insolvenzverwalter Hubert Görg Middelhoff und andere ehemalige Vorstände und Aufsichtsratsmitglieder an, es geht um 175.000.000€ Schadenersatz.

Eine schöne Pointe gibt es noch - Middelhoff schanzte der Privat-Uni Witten/Herdecke Arcandor-Gelder in Höhe von 350.000€ jährlich zu, für die Einrichtung des „Arcandor-Lehrstuhls für ethisch saubere Unternehmensführung” - der Mann hat Humor (oder leidet an völligem Realitätsverlust).

7/06/2010

Prince vs. das Internet

Prince sagt: "das Internet ist tot."
Das Internet sagt: "Prince ist tot."

 Laut dem Sänger Prince (der sich früher mal TAFKAP nannte, was so viel bedeuten sollte wie "der Künstler, der mal Prince hieß", weil er sich früher mal Prince nannte) ist das Internet tot. Sein neues Album 20TEN gibt es nicht als Download, sondern es wird als Beilage zum nächsten Rolling Stone (nur echt mit den end- und nutzlosen 10/50/100/500 beste Songs der Woche/Monats/Jahres/Jahrzehnts-Listen) verkauft - revolutionär!
Als PC-Spieler kenne ich es so, dass es alte Spiele, die kein Mensch mehr kaufen würde, als gratis-Beilage zu Zeitschriften gibt...



(Ich würde mich nicht darauf verlassen, dass es das neue Album von Prince nicht doch als Download gibt... einfach mal die üblichen Verdächtigen fragen (gibt's piratebay noch???).)

7/03/2010

Nazis auf dem Chemnitzer Pressefest

Einmal im Jahr findet im Chemnitzer Küchwald das Pressefest statt - großes Volksfest, Musik, Karussel, Essen, Trinken, Feuerwerk - eigentlich eine gute Sache.
Für mich als Anwohner ein etwas getrübtes Vergnügen, weil schon Tage vorher sämtliche Parkplätze belegt sind und bis spät Nachts laute Musik zu hören ist, aber was soll's - lässt man das Auto halt stehen und laute Musik hab ich auch schonmal gemacht.
Was allerdings schwerer zu tolerieren ist, sind betrunkene Gäste, die nachts durch "mein Viertel" ziehen und "Sieg Heil!" brüllen - wieso die zig Polizisten und Sicherheitsleute, die gewissenhaft an jeder Ecke den Verkehr regeln da plötzlich nichts mehr hören und sehen ist mir schleierhaft. Liegt's vielleicht daran, dass die Sicherheitsleute in den letzten Jahren von der Firma Haller Security, die "im Verdacht steht", selbst zum großen Teil eher im extrem rechten Lager verwurzelt zu sein, gestellt wurden?