5/13/2009

Netzsperren

Nachdem die online-Petition innerhalb von kurzer Zeit über 80.000 Mitzeichner gefunden hat und damit ein erstaunliches Medienecho generiert hat, fühlte sich der dubiose Verein "Deutsche Kinderhilfe" motiviert, die von der Leyens und Schäubles in ihrem Vorhaben zu unterstützen.

In einer Pressemitteilung warf die DKH den Unterstützern der Petition (mal wieder) indirekt vor, einen rechtsfreien Raum im Netz zu fordern (was bekannter Maßen völlig falsch ist, was im "realen Leben" illegal ist, ist zum Glück im Netz auch illegal!) und Kinderpornographie zu unterstützen. Nachdem die DKH in der Vergangenheit durch Nähe zum Familienministerium und zur CDU, sowie durch erheblichen Mangel an Transparenz aufgefallen ist, habe ich eine ausführliche Mail an den Deutschen Kinderschutzbund geschrieben. In der Hoffnung, dass sich eine seriöse und integere Institution mit dem Thema beschäftigt und eine - hoffentlich ähnlich medienwirksame Mitteilung veröffentlicht, und dabei sicherlich nicht einfach nur die Lügen der Frau von der Leyen nachbetet.

Übrigens versucht die DKH seit Wochen, "ihren" Wikipedia-Eintrag zu manipulieren - ein Klick auf "Diskussion" macht das deutlich. Die Welt hat online auch schonmal einen kritischen Blick auf den zwielichtigen Verein geworfen - lesenswert!
Alle aktuellen Informationen zu den Netzsperren, den Protesten und weiteren Zensurplänen findet man bei netzpolitik.org. (Artikel zur Deutschen Kinderhilfe und den Netzsperren)

4/22/2009

Missbrauch in der Kirche

Nachtrag zu Blog-Eintrag Mixa

SPON hat einen - zugegebener Maßen etwas älteren - Fall von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche ausgegraben, das aber nicht ohne aktuellen Anlass. Der ehemalige Pfarrer Wolfdieter Weiß, der schon seit 20 Jahren immer wieder im Verdacht steht, schutzbefohlene Kinder sexuell zu belästigen, wurde 2000 vom Landgericht Coburg zu zwei Jahren auf Bewährung und zur Zahlung von 12.000€ Schmerzensgeld verurteilt, das Urteil wurde 2001 vom BGH bestätigt. Jetzt schickt der feine Herr (Ex-) Pfarrer seinen Opfern Privatdetektive auf den Hals, die aus den Kindern die Aussage rausholen sollen, dass das damals ja vielleicht alles gar nicht so schlimm war.
Man mag entgegnen, dass das ja ein Einzelfall war, deswegen jetzt eine Mitschuld der katholischen Kirche abzuleiten, wäre falsch. Dem widerspreche ich, hier und hier lässt sich vielleicht nachlesen, warum ich zumindest dem Bistum Würzburg eine gewaltige Mitschuld anlaste.
Schon 1985 kamen erste Verdachtsmomente auf, dass Weiß Kinder sexuell missbraucht - Konsequenz daraus war, dass Weiß auf seine Pfarrstelle verzichtete und in einen anderen Ort versetzt wurde.
1986 stand Wolfdieter Weiß wegen sexuellem Missbrauch vor Gericht und wurde verurteilt, das Berufungsverfahren wurde gegen Geldbuße eingestellt. - Konsequenz war, dass Weiß in einen anderen Ort versetzt wurde. 1998 kam es zu einem öffentlichen Eklat, als ein Vater in der Weihnachtsmesse Pfarrer Weiß des sexuellen Missbrauchs beschuldigte, 2000 landete Weiß schließlich wieder vor Gericht und wurde verurteilt.
Da zog also - überspitzt formuliert - ein bekannter, verurteilter Pädophiler durch das Bistum Würzburg und wurde von seinen Kollegen und Vorgesetzten immer wieder auf neue Positionen versetzt, so dass er sein krankes Spiel alle paar Jahre wieder von vorne beginnen konnte. Ihm wurden sogar noch Empfehlungsschreiben mitgegeben und die Zahlungen von Prozesskosten und Schmerzensgeld musste er natürlich auch nicht selbst tragen.
Wolfdieter Weiß wurde übrigens vor kurzem von seinem Vorgesetzten auf einem Kinderfest in Würzburg angetroffen, wo er angeblich auf jemanden warten würde. Sein Vorgesetzter (Generalvikar Hillenbrand) hat ihn des Platzes verwiesen - immerhin einer, der etwas gegen Kindesmissbrauch in seiner Kirche unternimmt.

Aber eigentlich wussten wir ja alle, dass der ganze Käse, den Mixa den Atheisten vorgeworfen hat mindestens genauso schlimm in der katholischen Kirche selbst vorzufinden ist.

4/20/2009

BILD vs. Klinsmann

Kurze Vorgeschichte:

Dass die BILD-Zeitung am liebsten Klinsmanns Kopf auf der Titelseite präsentieren würde, wie dies einst ihr polnisches Äquivalent "Super Express" mit Ballack und Löw tat, ist ja schon lange kein Geheimnis mehr.
Angesichts der miserablen Platzierung der Bayern (3 Punkte Rückstand auf Platz 1, 28. Spieltag) spekuliert die BILD seit Wochen über potentielle Klinsmann-Nachfolger - genannt wurde dabei alles, was Rang und Namen hat und schonmal einen Fußball zumindest aus der Ferne gesehen hat.
Neuester Opfer der BILD'schen Namenslotterie: Matthias Sammer.
Der wehrte sich vehement, nannte diese Spekulationen "unsäglich" und respektlos den Verantwortlichen gegenüber.

Nun seh ich heute morgen zufällig die DSF-Sendung "Doppelpass", einer der "Experten" ist Jörg Althoff, Sportfuzzi bei der BILD und dieser nutzt natürlich die Möglichkeit, auch außerhalb seines Käseblattes an Klinsmanns Stuhl zu sägen. Auf die Spekulationen um Matthias Sammer angesprochen, die natürlich auch von der BILD und BILD.de verbreitet wurden/werden, wurde er etwas kleinlaut und sagte sinngemäß, dass er gehört habe, dass Kahn ein Konzept für Schalke 04 erarbeitet habe, dass bestimmt auch Uli Hoeneß gesehen habe, und in diesem Konzept sei als möglicher Trainer Matthias Sammer aufgetaucht.
Reichlich wenig Informationen also, vor allem auch, wenn man bedenkt, dass Sammer mit dem DFB einen Vertrag bis 2013 hat.

4/16/2009

Lesenswert: Missbrauchsopfer gegen Internetsperren

Nachtrag zu Blog-Eintrag "Kinderpornographie"

Die Zeit hat ein Interview mit Christian Bahls (dem Gründer der Initiative "Missbrauchsopfer gegen Internetsperren" MOgIS) veröffentlicht.
Dieser wehrt sich vehement dagegen, als Missbrauchsopfer nun erneut von Innen- und Familienministerium für ein Zensurgesetz missbraucht zu werden. Er betont dabei vor allem die Wirkungslosigkeit des Zensurgesetzes und schildert sein Bemühen, das Familienministerium auf Kinderporno-Server in Deutschland hinzuweisen - als er nachfragte, wie der Stand der Ermittlungen sei, teilte man ihm mit, dass sein Hinweis gerade zwischen den Abteilungen hin- und hergeschoben werde. Und das bei einem Server der laut Bahls mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,5% in Deutschland steht und auf dem vermutlich 18 Kinderpornographische Domains laufen.
Glückwunsch und Dank an Frau von der Leyen, für ihren energischen Einsatz gegen Kinderpornographie.
Es heißt, dass jedes Land die Politiker kriegt, die es verdient... ich protestiere!
Ich schäme mich für so manchen Politiker in unserem Land - Jedes Unternehmen, dass von so einem inkompetenten, selbstsüchtigen, machtgeilen Pack geleitet würde, währe nach kurzer Zeit hinüber - Wenn jemand eine Idee hat, wen man guten Gewissens noch wählen kann, soll er mich bitte informieren, bald sind Wahlen und die Regierung überschlägt sich schon wieder mit idiotischen Wahlkampfversprechen.

Schöne neue Welt

Ein Polizist hat bei einem "Gedenkprotest" ("memorial protest") für Ian Tomlinson eine Frau mit seinem Schlagstock angegriffen, nachdem diese ihn als "fucking murderer" beschimpft hatte.

Ian Tomlinson war bei den G20-Protesten anfang April an einem Herzinfarkt gestorben, nachdem er kurz zuvor von Polizisten in riot gear (Helm, Schild, ...) von hinten angegriffen wurde.

Der Guardian warnt Besucher der im Titel verlinkten Seite, dass das Video ganz böse Wörter enthält - also, wer darauf Wert legt, dass sein Polizeigewalt-Video nicht durch böse Schimpfwörter beschmutzt wird, der macht bitte den Ton aus.

Nachtrag (21.04.2009)
Tomlinson starb nicht an einem Herzinfarkt, sondern an inneren Blutungen.

4/14/2009

BILD.de warnt vor Datenklau

BILD.de warnt in einem Artikel vor den Gefahren, die im Netz lauern. Einmal in sozialen Netzwerken unachtsam gewesen, und schwupps sind deine persönlichen Daten bei irgendeinem skrupellosen Unternehmen, dass schamlos Profit aus ihnen schlägt.
BILD.de zitiert dazu das Bundesdatenschutzgesetz:

Laut Bundesdatenschutzgesetz ist dies (Datendiebstahl aus sozialen Netzwerken) zwar nur erlaubt, wenn die Daten öffentlich zugänglich sind. Also NICHT, wenn man sich zum Abrufen anmelden muss. Trotzdem tauchen auch immer wieder die eigentlich geschützten Daten auf.

Ja das ist schon verrückt, was in diesem "Internetz" alles möglich ist, immer wieder tauchen geschützte Daten irgendwo auf.
Danke auch an bildblog.de, wo dieser skandalöse "Datenklau" akribisch dokumentiert wird.